Was geschieht, wenn Ungeimpfte das Recht verlieren, ein Krankenhaus zu betreten?

Mit dem Vorschlaghammer gegen jeden gesunden Menschenverstand – Ramelow droht allen Ungeimpften mit dem Ausschluss aus Thüringer Krankenhäusern

Ein Beitrag von Robert Meier

Es ist wie beim Schauen von „Deutschland sucht den Superstar“ – nachdem man eine Weile zugesehen hat, gewöhnt man sich an den Mix aus Belustigung, Unglauben und sporadischer Übelkeit. Nach einigen Folgen ist man halbwegs abgestumpft und denkt, man hat die schlimmsten Auftritte bereits gesehen. Und just in diesem Moment, da man sich seines dicken Fells allzu sicher ist, in dem Moment, in dem man denkt, dass es schlimmer nicht werden kann, kommt ein Kandidat auf die Bühne, der einen durch seine Performance in Schockstarre versetzt. Völlig paralysiert und weit aufgerissenen Auges sitzt man da, vom quälend-schiefen Gejaule in die Verzweiflung getrieben.

Wer nun denkt, dieses Phänomen sei auf DSDS beschränkt, der irrt sich gewaltig, denn die Show „Deutschland sucht den größten Maßnahmenschwachsinn“ funktioniert nach exakt demselben Prinzip. Jeder, der halbwegs gut aufgepasst hat, lässt sich von den wiederkehrenden Peinlichkeiten und dem Gejaule der Altkandidaten nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen. Dennoch ist er nicht so abgestumpft, dass ihn Meldungen wie die folgende kaltlassen.

Im Namen der Gesundheit gegen die Gesundheit

Laut Merkur will Thüringen als erstes Bundesland sämtlichen Ungeimpften im Krankheitsfall den Zutritt zum Krankenhaus verwehren. Ja, ganz recht – Ministerpräsident Bodo Ramelow sagte in einer Talkshow gegenüber der Moderatorin Dunja Hayali, Thüringens Krankenhäuser wüssten zwar noch, wo oben und unten sei, aber Thüringen komme „in den nächsten Tagen“ in eine Situation, in der es nicht mehr genügend Intensivbetten habe. Man verzeichne eine „Pandemie der Ungeimpften“. Dass das vorn und hinten nicht stimmt, müsste Herrn Ramelow eigentlich bekannt sein, aber da dieses „Argument“ noch immer als seriös begriffen und in jedermanns Schallgebälk getrommelt wird, sei hier noch einmal etwas klargestellt: Es gibt keine Pandemie der Ungeimpften!

Die Erzählung über eine so genannte „Pandemie der Ungeimpften“ ist eine glatte Lüge, und wenn nicht das, dann zumindest ein gigantischer Irrtum, der dringend aus der Welt geschafft werden muss. Nun mag sich manch einer Fragen, wie man das bewerkstelligen könnte. Die Antwort darauf ist einfach, das Vorgehen komplex: Man sucht die entsprechenden Fakten und interpretiert sie so ehrlich wie möglich.

Fakten gegen die „Pandemie der Ungeimpften“

Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass diese gesamte Märchenerzählung auf unsauberen Zahlen beruht, denn wie mittlerweile weitreichend bekannt sein sollte, werden Geimpfte und Genesene nicht mehr getestet, sodass sie – im Gegensatz zu den Ungeimpften – nicht erfasst werden und folglich auch in keiner Statistik auftauchen. Was man nicht sucht, findet man natürlich auch nicht, und somit ergibt sich von selbst, dass die Ungeimpften zum Problem erklärt werden, wenn der Staat seine Positivquote ausschließlich von denen ohne Impfstoff bezieht. Wo nur Ungeimpfte getestet werden, können auch nur Ungeimpfte positiv sein – eine Binsenweisheit aus dem Reich der Logik, also einem Reich, das viele Menschen vor ungefähr 18 Monaten schlagartig verlassen haben. Trotz reduzierten „Testregimes“ gab und gibt es an jeder Ecke Impfdurchbrüche und Einlieferungen von einfach oder doppelt Geimpften in Krankenhäuser und Intensivstationen. Die Beispiele Großbritannien und Israel geben darüber genauestens Auskunft. Alle Daten sind online für jeden Menschen abrufbar und können rund um die Uhr auf Richtigkeit überprüft werden.

Die aktuellen Zahlen des RKI (Stand: 03.11.2021)

Die Situation in Deutschland unterscheidet sich kaum von der in England und Israel: Auch hier gibt es eine beträchtliche „Impfdurchbruchrate“, die die Aussage von Herrn Ramelow als den Unsinn entlarvt, der er ist. Werfen wir also einen Blick auf die derzeitigen Zahlen des RKI. Zugegeben, binnen 18 Monaten hat diese wundervolle Behörde kräftig an Glaubwürdigkeit und Prestige eingebüßt. Gehen wir aber für einen Moment davon aus, dass die dort verzeichneten Zahlen stimmen, dann sieht es in Deutschland folgendermaßen aus:

Wie aus der Tabelle ersichtlich, liegt die Anzahl der wahrscheinlichen Impfdurchbrüche bei Über-60-Jährigen, die allein in der 40.-43. KW festgestellt wurden, bei 60,5%! Weit mehr als die Hälfte aller gemeldeten Fälle der letzten Wochen wurden also von Menschen mit vollständigem Impfschutz gemeldet. Bodo Ramelow scheint das entweder nicht zur Kenntnis genommen zu haben, oder er hat an Daten, die seiner Märchenerzählung widersprechen, kein Interesse. Dem Stirnrunzler stellen sich hier jedoch verschiedene Fragen: Wie kann man anhand einer solchen Durchbruchrate leichtfertig von einer „Pandemie der Ungeimpften“ sprechen? Wie kann einem entgehen, dass eine „Bereinigung“ der Teststatistik um mehr als die Hälfte der Bevölkerung zwangsläufig zu enorm verzerrten Zahlenwerten und falschen Schlussfolgerungen führt? Wieso fragt man nicht neugierig nach, wie es dazu kommt, dass 11 Monate nach Impfbeginn die so genannten „Neuinfektionen“, die nach wie vor häufig nur Positivergebnisse ohne klinische Entsprechung sind, wesentlich höher ausfallen als zur selben Zeit im letzten Jahr, und das trotz der Verabreichung angeblich hochwirksamer Impfstoffe, die so gut wirken, dass man demnächst die gesamte Bevölkerung „boostern muss“? Mit Blick auf den Folgeteil der obigen Tabelle hören sich diese Fragen noch interessanter an:

Wir stellen fest: Auch die Hospitalisierungsrate der über-60-jährigen Positivfälle liegt knapp unterhalb der 50-Prozent-Marke. Immerhin ein Drittel der deutschlandweit verzeichneten Intensivpatienten dieses Alters wurde positiv getestet (und als „Fall“ in die massiv verzerrte Statistik aufgenommen). Etwas weniger als die Hälfte aller Corona-Intensivpatienten starb in den KW 40 – 43 trotz Impfung nach einem Durchbruch. Die kumulierten Daten von der 5. bis zur 43. KW zeigen, dass über 10 Prozent aller hospitalisierten Geimpften nach einem Impfdurchbruch gestorben sind.

Last but not least gibt es mittlerweile genügend wissenschaftliche Daten, die die Erzählung einer „Pandemie der Ungeimpften“ ad absurdum führen. Egal, ob Studien über den Vergleich der Viruslast von Geimpften und Ungeimpften (Riemersma et al.), Ansteckungen durch Geimpfte bei Großveranstaltungen in Barnstable County, Massachusetts (Brown et al), Positivtests nach 2-G-Partys in Münster oder Ansteckungen durch geimpftes Krankenhauspersonal in Finnland (Hetemäki et al.) – überall ist es dasselbe Ergebnis: Geimpfte sind genauso ansteckend wie Ungeimpfte. Hinzu kommt das, was durch das endlose Gerede über symptomlos Erkrankte und symptomlose Transmissionen in Vergessenheit geraten ist: Ein Großteil der Bevölkerung ist kerngesund! Wer kerngesund ist, kommt natürlich nicht ins Krankenhaus, aber sollte er sich mit einer der unzähligen anderen Krankheiten an einer Klinikpforte melden, gibt es keinen Grund, ihn abzuweisen, da er niemanden mit etwas anstecken kann, das er nicht hat.

[An dieser Stelle könnte der Ketzer fragen: Wenn die Tests, derer man sich bedient, so sicher sind, wie uns unentwegt erklärt wurde (siehe: „Der PCR-Test ist der Goldstandard der Covid-Diagnostik“), wieso reicht ein Negativergebnis als Nachweis der eigenen Gesundheit plötzlich nicht mehr aus? Darauf antwortet der Testfreund gern mit den Worten: „Die Tests sind eben nicht perfekt genug.“ (Karl Lauterbach) Aha. Man lässt also jene, die sich nicht impfen lassen wollen, aus eigener Tasche einen Test bezahlen, der nach neuesten Angaben seiner Verfechter doch nicht so gut geeignet ist, wie es eineinhalb Jahre lang propagiert wurde. Das verstehe, wer will (oder „kann“). Dass die Tests sozusagen das „Urproblem“ der gesamten Covid-Statistik sind, scheint vor allem einflussreichen Politikern nicht auffallen zu wollen.]

Weiterhin müsste für die Bestätigung einer so steilen These transparent gemacht werden, wie hoch der Anteil der Geimpften ist, der auf den ITS getestet wird, ob Covid die Hauptdiagnose ist oder bei einem Routinetest in Form eines positiven Ergebnisses „entdeckt“ wurde, ob es sich bei den „über 90% Ungeimpften“ um eine Zahl handelt, die sich ausschließlich auf die ITS bezieht, welche CT-Werte bei den Positivtests gemessen wurden, ob die jeweiligen Patienten symptomatisch waren, welche Komorbiditäten sie vorweisen, wie das Durchschnittsalter der Patienten ist usw. All diese Dinge standen bereits 2020 zur Diskussion – nur wurden sie leider nicht oder nur unzureichend diskutiert, was man daran erkennen kann, dass knapp ein Jahr später dieselben Fehler an denselben Stellen gemacht werden, ohne dass sich etwas zum Besseren oder Klareren gewendet hätte. Die Informationen, die nötig wären, um ein differenziertes Bild der Situation zu bekommen, werden von der Regierung nicht herausgegeben.  

Wie dem auch sei: Jedem, der sich mit diesen Daten auseinandergesetzt hat, ist klar: Es gibt keine Pandemie der Ungeimpften!

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Reductio ad metum – Furcht, Druck und Hörigkeit

Dennoch lässt sich Thüringens Ministerpräsident dazu hinreißen, folgende Aussage zu treffen: „[…] wir werden niemandem mehr garantieren können, der ungeimpft ins Krankenhaus kommt, dass er überhaupt noch hier behandelt wird.“

Zur Erinnerung: Jährlich sterben in Deutschland 330.000 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 235.000 an Krebs (vgl. Frank 2021, 55). Das bedeutet: Die Todesrate von Covid-19-Patienten ist nicht ansatzweise an der Spitze der Sterbezahlen. Folglich ist es auch normal, dass der Großteil der Patienten auf den Intensivstationen gänzlich andere Krankheiten hat, die unabhängig von ihrem Impfstatus dringend behandelt werden müssen. Man stelle sich einen Menschen mit einer schweren Herzerkrankung vor, die schnellstens behandelt werden muss, weil dieser Mensch ansonsten stirbt. Und man stelle sich weiterhin vor, dieser Mensch wird an der Notaufnahme eines Thüringer Krankenhauses mit der Begründung abgelehnt, er habe noch keine doppelte Covid-Impfung erhalten. Jeder, der halbwegs bei Verstand ist, weiß, dass dieses Vorgehen nicht nur gegen jedes intakte Moralverständnis verstößt, sondern auch gegen das Genfer Ärztegelöbnis:

„Als Mitglied der ärztlichen Profession

gelobe ich feierlich, mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen.

Die Gesundheit und das Wohlergehen meiner Patientin oder meines Patienten werden mein oberstes Anliegen sein.

Ich werde die Autonomie und die Würde meiner Patientin oder meines Patienten respektieren.

Ich werde den höchsten Respekt vor menschlichem Leben wahren.

Ich werde nicht zulassen, dass Erwägungen von Alter, Krankheit oder Behinderung, Glaube, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politischer Zugehörigkeit, Rasse, sexueller Orientierung, sozialer Stellung oder jeglicher anderer Faktoren zwischen meine Pflichten und meine Patientin oder meinen Patienten treten.

Ich werde die mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod der Patientin oder des Patienten hinaus wahren.

Ich werde meinen Beruf nach bestem Wissen und Gewissen, mit Würde und im Einklang mit guter medizinischer Praxis ausüben.

Ich werde die Ehre und die edlen Traditionen des ärztlichen Berufes fördern.

Ich werde meinen Lehrerinnen und Lehrern, meinen Kolleginnen und Kollegen und meinen Schülerinnen und Schülern die ihnen gebührende Achtung und Dankbarkeit erweisen.

Ich werde mein medizinisches Wissen zum Wohle der Patientin oder des Patienten und zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung teilen.

Ich werde auf meine eigene Gesundheit, mein Wohlergehen und meine Fähigkeiten achten, um eine Behandlung auf höchstem Niveau leisten zu können.

Ich werde, selbst unter Bedrohung, mein medizinisches Wissen nicht zur Verletzung von Menschenrechten und bürgerlichen Freiheiten anwenden.

Ich gelobe dies feierlich, aus freien Stücken und bei meiner Ehre.

Bauernopfer

Käme auch nur ein Thüringer Krankenhaus auf die absurde Idee, Ramelows Drohung in die Tat umzusetzen, wäre das ein heftiger Verstoß gegen dieses Gelöbnis.

Dann wären da noch jene, die sich aufgrund einer medizinischen Kontraindikation nicht impfen lassen können, jene, die die Impfung schlicht und ergreifend nicht brauchen, da sie weder gefährlich noch gefährdet sind (Kinder und Jugendliche) und jene, die sich seit vielen Monaten auf das Recht auf körperliche Unversehrtheit berufen, ebenso wie auf ihre Eigenverantwortung, ihre Würde, die ärztliche Schweigepflicht und Artikel 14 der Europäischen Menschenrechtskonvention. All diesen Menschen wäre fortan der Zugang zu medizinischer Versorgung im Krankenhaus verboten, zumindest nach Meinung des Herrn Ministerpräsidenten. Jeder Ungeimpfte, der statt an Corona an etwas anderem erkrankt, wird damit „im Kampf gegen Corona“ zum potenziellen Bauernopfer erklärt.

Durch eine solche Aussage trägt Ramelow selbst zur Schädigung seiner Bevölkerung bei und zeigt, dass er ein gefährlich begrenztes Verständnis von Gesundheit an den Tag legt, das den Menschen als ganzheitliches Wesen ignoriert und ihn stattdessen auf die bloße Abwesenheit von Testergebnissen reduziert. Seine Aussage, Ungeimpfte könnten in Krankenhäusern nicht mehr behandelt werden, ist hochgradig gesundheitsschädigend, da sie viele Menschen in Angst und Panik versetzt. Beides macht krank, das weiß jedes Kind. Spätestens nach dem „Corona-Jahr“ 2020, in dem die Kinder und Jugendlichen dieses Landes im Namen der „Gesundheit aller“ psychisch und physisch geschunden wurden.

Zwang gegenüber denen, die sich wehren können, erzeugt entweder krankhaftes Mitläufertum oder eine Gegenreaktion. Zwang gegenüber denen, die sich nicht wehren können, erzeugt in den meisten Fällen eine stille aber äußerst schädliche Selbstverleugnung und eine pathologische Hörigkeit, deren Folgen vermutlich nicht ansatzweise so in den Fokus genommen werden, wie der deutschen Lieblingsvirus. Die steigende Zahl der maßnahmenbedingten Depressionen ist nur ein Beispiel von vielen, das mit großem Eifer aus dem Fokus der Öffentlichkeit herausgehalten wird. Dank Panikmaschinisten wie Bodo Ramelow muss zumindest die nächste Generation von Psychotherapeuten keine Existenzängste haben.