Zur Ideologie des Biotechnologismus

Ein Auszug aus meinem neuen Buch "Der Kult. Über die Viralität des Bösen" (erscheint am 24. 1. 2022 bei RUBIKON)

Meine lieben Freunde,

ich bin ganz besonders stolz, euch heute das Erscheinen meines neuen Buches ankündigen zu dürfen! Es trägt den Titel: “Der Kult. Über die Viralität des Bösen” und wird am 24. Januar 2022 bei RUBIKON erscheinen. Erhältlich ist es überall im Buchhandel. Vorbestellen könnt ihr es bereits jetzt, z. B. hier.

Das Buch stellt die alles entscheidenden Fragen: Warum tun gute Menschen Böses? Wieso werden so viele zu fügsamen Mittätern? Und warum rebellieren sie nicht, wenn man ihnen die Freiheit nimmt?Unten könnt ihr einen kleinen Auszug aus dem Werk vorab lesen. Ich würde mich freuen, wenn euch die Lektüre von “Der Kult” erkenntnisreich und gewinnbringend erscheint. Lasst es mich gerne wissen!

Alles Liebe,

Euer

Gunnar


Die Technologisierung des Menschen

Die Implementierung der Spritze in unseren Alltag, als Dauer-Booster-Abo mitsamt Androhung von Freiheitsentzug bei Nicht-Konsum, bereitet die weitere Technologisierung des menschlichen Lebens vor. Das Objekt dieser Technologisierung ist der menschliche Körper selber. Entwickelt werden können Technologien zur transhumanistischen Selbstoptimierung und Lebensverlängerung nur, wenn es genug Nachfrage auf dem Markt gibt. Diese wird zum Einen durch die Illusion der Bedrohung und zum anderen durch massive Nötigung erreicht.

Diese Entwicklung verändert unsere gesellschaftlichen Normen in dem Maße, wie die transhumanistische Ideologie unsichtbar Boden gewinnt. Ihr erscheinen das reine menschliche Überleben und bloßes körperliches Wohlbefinden als die einzigen erstrebenswerten Ziele, der die Gesellschaft alle weiteren Ideale unterzuordnen hat. Die Selbstoptimierung, die Verbesserung des Körpers, das „Boostern“ der Gesundheit als „Update“ des Immunsystems sind in dieser Ideologie moralische Handlungen, während alles, was körperlich schaden oder Unwohlsein verursachen kann, böse ist.

Der gesetzlich verordnete oder durch Hetze, Desinformation, Ausgrenzung und Moralisierung durchgesetzte Impfzwang ist dabei nur ein prominentes Beispiel, an dem sich die drastische Veränderung traditionellen moralischen Empfindens zeigen lässt.

Ausgeweitet wird dessen Anwendungsbereich schließlich auf alle möglichen biotechnologischen Bestandteile der Schönen Neuen Welt: die Benutzung bestimmter TracingApps oder von Handys überhaupt, die Gesichtserkennung, die Speicherung biometrischer Daten, die Digitale Identität usw.: Alles wird mit den schillernden Farben einer Schönen Neuen Moral getüncht sein.

Die Akte der Vernachlässigung eigener oder fremder „Gesundheit“ und der Verweigerung des Individuums gegenüber der Großen Transhumanistischen Utopie müssen daher als asozial, egoistisch und unsolidarisch angesehen werden; bevor sie dann schließlich als kriminell unter Strafe gestellt werden.

Der kollektive Solipsismus der Mehrheitsgesellschaft

Die Mehrheitsgesellschaft, die sich so brav dem biotechnologischen und biomoralischen Zugriff fügt, ist eine Gesellschaft des kollektiven Solipsismus. Sie kann sich gar nicht mehr vorstellen, dass andere Sichtweisen und traditionellere Wertesysteme autonom existieren können. Sie muss kritischen Äußerungen und einem Verhalten, das nicht mit dem neuen Narrativ konform geht, projizierend den Egoismus unterstellen, den sie in ihrem eigenen dunklen Herzen ausmachen müsste, würde sie die Natur der akzeptierten Neuen Normalität wirklich begreifen: den der ultimativen und alternativlosen Selbstbezogenheit. Keine Bedenken, keine Interessen Dritter (der Kinder, der durch Konkurs und Arbeitslosigkeit Abgehängten, der Menschen in den Entwicklungsländern, der nachfolgenden Generationen …) dürfen in dieser Unhinterfragbarkeit noch eine Rolle spielen.

Im kollektiven Solipsismus gelten dann diejenigen, die diese Missstände öffentlich beklagen, als Empathielose und Egoisten. Wer sich nicht nötigen lässt, kann nicht auf gleiche Weise „real“ sein wie man selbst. Er muss zum Unmenschen werden, weil er nicht zum Neuen Menschen taugt. Und als Unmensch an sich ist er immer schon ausgegrenzt, es ist seine eigene Entscheidung – ihm die Grundrechte und die Teilhabe an Teilen des öffentlichen Lebens zu verwehren, ist kein Akt verwerflicher Diskriminierung, sondern geschieht geradezu folgerichtig und unumgänglich.

Während den Menschen die Voll-Implementierung der biotechnologischen Instrumente ins Alltagsleben (Dauer-Booster-Abo, Digitaler Impfausweis, Messgeräte, Digitale Identität) unter dem Label des „Solidarischen“ verkauft wird, ahnen sie halbbewusst, was für sie drin ist: die extrem individualistische Selbstbezogenheit eines „Updates“ des Immunsystems, der „Perfektionierung“ des eigenen Körpers und der Vergötzung der eigenen „Gesundheit“, die ihnen erlaubt, Macht über sich und ihre eigene Natur zu simulieren. Von den egoistischen „Privilegien“, die sie sich durch ihre Fügsamkeit und ihren Unwillen, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, erkaufen, einmal abgesehen.

Warum „die Pandemie“ nicht endet

Menschen mit einem gesunden Zeitempfinden fällt die Taktik der ständigen Zielverschiebung noch auf, mit der „die Pandemie" (hier als gesellschaftlich-politisches Narrativ gefasst, im Gegensatz zur in der Realität auftretenden, epidemiologisch festzustellenden „weltweiten starke Ausbreitung einer Infektionskrankheit mit hohen Erkrankungszahlen und schweren Krankheitsverläufen“) am Leben gehalten wird. Die Taktik der „shifting goalposts“ wird dabei so plump und vor aller Augen angewandt, dass es beinahe verwundert, dass die Massengesellschaft sich ihrer nicht bewusst wird und rebelliert. Explizite Versprechungen fallen, obwohl erst vor Wochen getroffen, der Vergessenheit anheim, unterstützt von der selbstverschuldeten Komplizenschaft der Medien; Kriterien für die Aufhebung der Maßnahmen werden, so sie denn überhaupt angegeben wurden, ins Unkenntliche aufgeweicht; auf einmal sind Aussagen und Forderungen selbstverständlich, die dem Mainstream noch vor wenigen Monaten als an den Haaren herbeigezogen gegolten haben.

Der Horizont des Narrativs „Pandemie“ und der Erwartungen, die an sein Ende geknüpft sind, wird mit jedem Tag, mit jeder Äußerung eines Politikers oder Hofjournalisten, ein Stück weiter geschoben. Auf diese Weise gelingt es, "die Pandemie" nicht enden zu lassen, bevor nicht alle Impfdosen abgesetzt und die Bevölkerung die neue biotechnnologische Realität des Dauer-Booster-Abos (mitsamt verbundenen Überwachungstechnologien wie Tracing Apps etc.) akzeptiert hat.

Der tiefere Grund jedoch liegt in der Natur der Krise, die eine des Welt- und Menschenbilds und der Metaphysik ist. Das gesamte Vorgehen der Politik, ihre technokratische Legitimation über "die Wissenschaft" und die Machtergreifung der Pharmaindustrie ist nur möglich, weil die Gesellschaft von einem Weltbild beherrscht wird, dass einem reinen Fortschrittsglauben huldigt. Der Fortschritt wird begriffen als immer zunehmende Macht des Menschen über die Natur, die er sich verfügbar und untertan macht, ohne eine letzte Grenze anzuerkennen. Ein letztes Stück Natur ist im Zeitalter der Biotechnologie der Mensch, sein Körper, seine Gesundheit, seine Alterungsprozesse, seine Lebensdauer. All dies ist dem Imperativ des Biotechnologismus unterworfen, dessen „Erfolg“ zum primären Ziel der menschlichen Geschichte geworden ist. Die Verfügbarmachung des bislang Unverfügbaren, die Beherrschung des sich dem menschlichen Zugriff Entziehenden, wie etwa die Ausrottung von Krankheiten, den „Krieg gegen das Virus“, das Besiegen des Alterungsprozesses etc., sind die Beweise für die Allmacht der Technik, an die der moderne Mensch zu glauben hat wie früher an die Allmacht Gottes.

In diesem technologischen Utopismus kommt es weniger darauf an, dass die Versprechungen erfüllt werden; in der Tat kann man eine gewisse apathische Gleichgültigkeit der meisten Menschen gegenüber den nicht erfüllten oder gebrochenen Versprechen verspüren, die so viel auf ihr ungebrochenes Vertrauen dem neuen Gott Technologie gegenüber halten (der uns doch schon so viel Gutes beschert hat, wie undankbar wären wir, würden wir jetzt, so kurz vor seinen weiteren Siegeszügen, unsere Loyalität durch zu große Ungeduld aufkündigen!).

Es kommt vielmehr darauf an, dass Moral und Denken der Menschen sich durch die Natur der biotechnologischen Heilsversprechungen ändern: Gut ist, was fortschrittlich ist (auch wenn ein Ziel nicht mehr in Sicht ist), „heute" ist besser als „gestern“ und "morgen" besser als "heute“ (auch wenn dieses Morgen eine fatale Abhängigkeit von Produkten der Pharmaindustrie bedeutet). Der Progressismus der Neuen Normalität sieht kein Ende der Geschichte vor, er wird angetrieben durch eine „schlechte Unendlichkeit“, in der das Heute nur ein Mittel ist zur Erreichung des Morgen, und der Mensch von Heute ein Mittel zur Gestaltung eines anderen, gesünderen, besser funktionierenden, leichter verwaltbaren Menschen, der eine moralische Wahl durch eine rein technologische zu ersetzen gelernt hat.

Daher endet "die Pandemie" nicht, auch wenn alle dafür in Frage kommenden Zahlen „auf Null" stünden (die Unvorstellbarkeit dieses Gedankens mag angeben, wie ausweglos die Situation ist). Eine nächste "Pandemie“ (ob als Gesundheits-, Klima-, Währungs-, Umwelt- oder Migrationsevent) ist immer schon da, weil die Ideologie des Technologismus in ihrer Fortschrittsverherrlichung dadurch Macht über das öffentliche Empfinden behaupten kann. Insignium dieser Macht ist ihre Fähigkeit, die Nicht-Konformen mit sozialem Tod zu bedrohen: In der Gesellschaft des technologischen Fortschritts sind die, die nicht mitmachen, irrelevant und können ausgemerzt werden.

Die Nicht-Konformen selber verspüren dies, neben der ganz handfesten Rhetorik der Entmenschlichung, der Hetze und Ausgrenzung, die vollkommen hemmungslos und schadenfroh über ihnen ausgeschüttet wird, sowie in der noch handfesteren tatsächlichen Ausgrenzung aus dem öffentlichen Leben, auch in der Angst, abgehängt zu sein und dem neuen Gott nicht rechtzeitig gehuldigt zu haben, bevor er seine Allmacht in Gänze offenbart hat. Vielleicht ist es ja doch in Ordnung, sich dem neuen Machthaber zu unterwerfen, fragen sie sich. Es wäre so viel drin: den Anschluss an die Mehrheitsgesellschaft, die Segnungen der Konformität, die Linderung der Gewissensqualen, die verführerischen Früchte der Technik, die Erleichterung des Alltags …

Dass der Mensch nicht weiß, welchen Wert er dem materialistischen Gott und seinem Fortschrittsnarrativ entgegenstellen soll (selbst wenn er es wollte, weil sein Gewissen ihn nicht in Ruhe lässt), verweist auf die eigentliche Ursache für so viel Anpassung und Mitläufertum: die metaphysische Unbehaustheit des modernen Menschen.

Auszug aus: Gunnar Kaiser: Der Kult. Über die Viralität des Bösen. Rubikon, 2022.