Ich habe einen Fehler gemacht

Und daraus etwas Wichtiges gelernt

Ich hatte einen Fehler gemacht.

In der Nacht des 6. auf den 7. April hatte ich mir auf Twitter angeguckt, was Jörg Kachelmann dort eine Woche zuvor über mich geschrieben hatte.

Das war ein Fehler. Denn Kachelmanns Tweets und die seiner Follower zu lesen, verwunderte mich nicht nur, es versetzte mich geradezu in eine kognitive Dissonanz, die mich kaum schlafen ließ.

Ich konnte ja verstehen, dass ich mit den polemischen Teilen meiner Beiträge anecke und zu heftigen Reaktionen herausfordere. Das war ja auch gewollt. Dass die sehr persönlich und beleidigend werden – geschenkt.

Was ich zum einen aber nicht verstand und verstehe, war die gewollte Verknüpfung von Maßnahmenkritik mit Rechtsextremismus etc. – ich komme einfach nicht dahinter, was das eine mit dem anderen zu tun hat (m. E. sind es sogar diametrale Positionen, vor allem was die Aspekte starker Staat, Polizeistaat, Zensur, Autoritätshörigkeit, Politisierung der Wissenschaft usw. angeht).

Zum anderen hatte ich mich vergeblich bemüht in den ganzen Auslassungen über mich und mein Video ein einziges sachliches Argument zu finden. Kein Wort, nirgends. Nichts, nada, niente.
Gut, es war Twitter, vielleicht nicht der Ort für sachliche Entgegnungen. Aber dass nicht einmal der Versuch gemacht wurde, ließ mich doch ratloser zurück, als ich es hätte sein sollen. Der Wille schien nicht vorhanden zu sein.

Es wurde in einem Antwort-Tweet sogar von Sachlichkeit als „neuem Totschlagargument rechtsoffener Covidioten“ gesprochen.

Sicher, mein Beitrag „Sehe ich das richtig?“ (kurz nach Verfassen des FB-Posts gelöscht, Erklärung weiter unten; Original noch hier zu sehen) war spitz formuliert und hieb auch mit der groben Kelle drauf. Er war sogar bewusst spalterisch, weil ich strikt nichts mit Menschen, die die Traumatisierung unserer Kinder im Namen der „Volksgesundheit“ schweigend abnicken, zu tun haben möchte. Es wäre besser, wenn wir von diesen Menschen abgespalten wären.

Aber es waren doch argumentative Kerne darin zu finden: Ich machte m. E. auf eklatante Widersprüche der Pandemiebekämpfung aufmerksam.
Konnte man diese Widersprüche nicht anders erklären und vielleicht sogar als haltlos auflösen, als indem man denjenigen, der auf sie hinwies, öffentlich in den Dreck zog?

Mich persönlich verletzt das nicht so sehr, ein bisschen zieht es schon in der Magengrube, so etwas über sich zu lesen (zumal ich selber, glaube ich, eher selten konkrete Personen öffentlich herabsetzend angegangen war; nicht einmal Precht gegenüber würde mich in der Weise äußern, wie Kachelmann es mir gegenüber tat), aber das ist harmlos. Die meisten persönlichen Affronts übergehe ich ja daher auch lieber.


Bei diesem war es allerdings so, dass ich mich fragte, wie das auf die vielen Menschen wirkt, die mir in dem Video zugestimmt haben: Es sind auffällige Widersprüche und Fehlkommunikationen geschehen, über die man nicht einfach hinweggehen kann. Wie wirkt der persönlich diffamierende Angriff auf sie – doch eher entmutigend, oder er schürt sogar noch mehr Hass und Unverständnis?

Ich räume ein, mit meiner Polemik zu dieser Spirale beizutragen, und dass es vielleicht heuchlerisch sein könnte, sich jetzt allein über das Vitriol auf Seiten der Kachelmänner dieser Welt zu beklagen.
Aber ich suche immer noch nach dem Anker, den diese Tiraden im Argumentativen haben. Wie wären denn diese Widersprüche sinnvoll aufzulösen? Warum verfängt denn meine Kritik an den Maßnahmen und der politischen Kommunikation nicht?

Worum es mir geht: Wird nicht die Verweigerung, auf die nun seit einem Jahr vorgetragenen Einwände bezüglich der Rechtmäßigkeit, Verhältnismäßigkeit und Schädlichkeit der Maßnahmen, bezüglich der Angstrhetorik und des Chaos-Kurses der Bundes- und Landesregierungen neben verständlicher persönlicher Involviertheit und Hitze auch sachlich einzugehen, zu noch mehr Unverständnis, Maßnahmenkritik und zivilem Ungehorsam führen?

Darin bestand die größe kognitive Dissonanz: Schießt sich nicht jeder, der Kritiker wie Ulrike Guérot, Michael Esfeld, Kathrin Schmidt, Otfried Höffe, Eric Gujer, Giorgio Agamben, Gerald Hüther, Paul Brandenburg oder meine Wenigkeit als Spinner o. Ä. abtut, nur selber ins Knie, weil er seine intellektuelle Unbewaffnetheit unter Beweis stellt?

Wenn man für die Vernünftigkeit des Regierungskurses oder die Alternativlosigkeit von Lockdowns wirklich werben wollen würde, ist dann nicht eine solche sich rein im Persönlichen abarbeitende Rhetorik auch für einen Grundschüler als kontraproduktiv zu erkennen?


Kurz nachdem ich den obigen Text auf Facebook und meinem Blog kaisertv.de gepostet hatte, sperrte Youtube das erwähnte Video, was bei Kachelmann vor einer Woche für Unmut und verbale Ausfälle gesorgt hatte.

Die Reaktion folgte also auf stehendem Fuße … YouTube hatte das von Jörg Kachelmann beanstandete Video „Sehe ich das richtig!“, das im Verlauf einer Woche knapp 350000 Aufrufe bekam, gelöscht.
Es verstoße gegen Richtlinien zu medizinischen Fehlinformationen. Weitere Begründungen werden nicht gegeben.

Mein Kanal ist nun für eine Woche für weitere Uploads und Livestreams gesperrt.

(Davon überzeugen, ob das inkriminierte Video tatsächlich Fehlinformationen beinhaltet, kann man sich übrigens hier: https://odysee.com/sehe-ich-das-richtig#e )

Natürlich hatte ich Beschwerde gegen die Sperrung meines Videos und des Kanals eingelegt, und zwar um 13:46 Uhr.

Um 13:48 Uhr bekam ich von YouTube folgende Antwort.

Hallo Gunnar Kaiser,

Wir haben deine Beschwerde zu folgendem Inhalt geprüft:

Video: Sehe ich das richtig?

Nachdem wir uns den Inhalt noch einmal angesehen haben, sind wir auch diesmal zu dem Ergebnis gekommen, dass er gegen unsere Richtlinien zu medizinischen Fehlinformationen verstößt. Wir können verstehen, wenn du deswegen jetzt enttäuscht bist. Wichtig ist uns dabei aber vor allem, dass YouTube eine sichere Plattform für alle Nutzer ist.

Welche Auswirkungen hat das auf deinen Kanal?

Das Video wird nicht auf YouTube reaktiviert.

Wenn sich deine Beschwerde gegen eine Warnung gerichtet hat, erhältst du beim nächsten Verstoß keine Warnung mehr.

Wenn sich deine Beschwerde gegen eine Verwarnung gerichtet hat, bleibt diese für deinen Kanal bestehen.

Das bedeutet, für die Prüfung eines knapp 12 Minuten langen Videos und die Aufrechterhaltung von Meinungsfreiheit und offenem Diskurs nimmt sich Youtube genau 2, in Worten ZWEI, Minuten Zeit.


Zur kognitiven Dissonanz angesichts der Unlogik des rhetorischen Vorgehens der Lockdownisten gesellte sich also Verdruss über ein deutlich abgekartetes Spiel der Zensur und Einschränkung der Meinungsfreiheit.

Doch der Tag war noch nicht zu Ende, da bot er mir noch eine weitere Lehre sowie eine Erkenntnis:

Zeitgleich nämlich hatte sich Jörg Kachelmann in den Kommentaren unter meinem Facebook-Post zu seiner Verbaldiarrhö gemeldet.

Eine erstaunliche Wortmeldung war das. Er drohte mir mit juristischen Schritten, sollte er Beleidigungen, üble Nachrede o. Ä. unter den Kommentaren zu meinem Posting finden. Was ich selber in einem recht neutral gehaltenen Text (s. o.) verwundert festgestellt hatte, nämlich dass er (ohne dass ich ihm dafür einen konkreten Anlass, etwa eine öffentliche Bemerkung in seine Richtung, gegeben hätte) justiziabel ausfällig mir gegenüber geworden war, befürchtete er nun von meiner Seite und “warnte” mich und die Kommentatoren vorsorglich vor unbedachten Äußerungen zu seiner Person.

Mir ist das Konzept der Projektion bekannt, es aber so deutlich und geradezu plump am Werk zu sehen, verblüffte mich dann doch.

Noch erstaunlicher aber war seine Danksagung wegen der Aufmerksamkeit, die mein Posting ihm verschafft habe. Ich hatte mehr als eine Woche gebraucht, um auf seine Twitter-Injurien aufmerksam zu werden und dann noch mal einen halben Tag, um mich überhaupt dazu hinreißen zu lassen, ein paar persönliche Zeilen zur Sache zu verfassen. Kachelmann selber antwortete innert einer Stunde mit einem erst ironisch anmutenden “Danke für die Aufmerksamkeit.”

Doch der Verdacht beschlich mich, dass es sich bei dem Dankeswort um alles andere als um ein ironisch-launisch vorgefertigtes Versatzstück seines Socia-Media-Teams handelte, sondern um eine persönlich-intime Mitteilung im ganz besonderen Sinn. Um nicht weniger als um ein Bekenntnis.

Erhärtet wurde dieser Verdacht, als mir per Mail eine Nachricht zuging, die meinem Erstaunen wenn auch kein Ende, so doch einen gewissen Rahmen und einen Sitz im Leben bereiten konnte.

Der Verfasser schrieb:

Lieber Gunnar,

ich bin grad etwas sehr entsetzt über deinen Bericht zum Angriff von Jörg Kachelmann gegen dich via Twitter.

[…]

Ich möchte dir ein paar Gedanken dazu schenken. Was ich an abgebildeten Tweets auf KaiserTV las, das trifft selbst mich. Es ist schlimmste Entwürdigung und Verunglimpfung gegen dich als Person. Das erkennst du selbst. Ausnahmslos Verunglimpfung und üble Nachrede als Botschaften auf der Beziehungsebene im Sinne Schulz von Thuns. Null Sachebene.

Du hast dich ja unlängst zu Narzisstischem Missbrauch eingelassen. Du erlebst gerade Narzisstischen Missbrauch schlimmster Sorte. Kachelmann ist nicht nur ein narzisstisch strukturierter, sondern ein narzisstisch gestörter Charakter und zwar massiv. Dafür spricht seine ganze Affäre zu den Vergewaltigungsvorwürfen vor vielen Jahren, nach welcher er sich, in seiner Ehre zutiefst gekränkt, öffentlich exponierte um sein Image wiederzuerlangen. Schuld hin oder her, die Art und Weise, wie er mit der tiefen Kränkung umging, zeichnet ihn als psychisch pathisch aus. Er drängte trotz allem wieder ins Rampenlicht, weil er nicht anders kann. Er sucht die Öffentlichkeit und braucht sie, weil er nach Aufmerksamkeit giert.

Die erhält jeder narzisstisch gestörte Charakter vor allem über solche Attacken, wie jetzt gegen dich. Ein psychisch gesunder Mensch, ein empathischer Mensch, ein gebildeter Mensch mit Herzens- und Hirnintelligenz würde jemand anderen niemals in solcher Art herabzuwürdigen versuchen.

Was ist dein Vergehen aus seiner unbewussten Sicht? Du erhälst Öffentlichkeit, Zuspruch und AUfmerksamkeit. Alles das, was er nicht (mehr) haben kann und das ekelt ihn an. Jeder ekelt ihn an, der das bekommt, wonach ihn verlangt. Du bist alles das, was er gern wäre, aber niemals sein kann. Narzisstisch gestörte Menschen können immer nur Fassaden aufrecht erhalten, sind innerlich leer. Ich nenne das "Narzisstische Mimikry". Sobald sie dann im Alltagsleben selbst befürchten, dass man sie enttarnt (und diese Furcht ist latent immer in ihnen vorhanden), gehen sie zum Angriff über. Du bist emanzipiert im Denken und Fühlen, du zeigst dich empathisch und couragiert. Das hassen sie wie die Pest. Und du bist oder wirkst zumindest sehr überzeugend so ;-) ... nein, auch was ich an früheren Videos bislang von dir kennenlernen durfte, du BIST ein ausgesprochen belesener und gelehrter Intellektueller. Und das macht Narzissten einfach rasend (Narzisstische Wut). Das wollen sie zerstören, weil sie sich in Gegenwart bzw. gegenüber einem Menschen, den sie im Grunde genommen bewundern und beneiden, selbst so klein und unbedeutend empfinden. Deine Arbeit und dein Auftreten macht den Kachelmann einfach wütend, du machst ihn wütend, einfach deshalb, weil du zufällig in sein Aufmerksamkeitsfeld gerietest. Das hat überhaupt gar nichts mit dir zu tun. Nulll Komma Niente. Du repräsentierst lediglich jemanden und etwas, woran er unbewusst seine eigene Unzulänglichkeit wahrnimmt, ohne das bewusst zu haben oder begründen zu können.

Rainer Mausfeld, der ja auch emeritierter Professor für Kognitionsforschung und Kommunikationspsychologie ist, hat es in einem seiner Vorträge mal schön auf den Punkt gebracht. Sinngemäß: Nichts beleidigt den menschlichen Narzissmus mehr, als das Gefühl zu haben, intellektuell unterlegen zu sein.

Schon im Ursprungsmythos bei Ovid sagt Narziss sinngemäß seinem SPiegelbild gegenüber: "Was fliehst du mich? Sind doch weder Alter noch Bildung mein, die dich abhalten könnten." […]

Lass dich um Himmels Willen nicht ein auf eine direkte Auseinandersetzung mit ihm. Da ist mit Logik, Argument und Sachlichkeit nichts zu holen, weil er selbst keinen Zugang hat zu seinen unbewussten Impulsen und Verstrickungen. No Contact!!!! Du hast es in deinem Video letztens selbst gut zum ABschluss gebracht. Es kränkt dich und nicht zu Unrecht. Es tut weh, aber nimm das einfach wahr, ergründe es achtsam für dich und toleriere das. Es geht von ganz allein wieder weg, diese blöde Gefühl. Wenn du dich einlässt auf Kachelmann, dann lieferst du ihm Narzisstische Zufuhr, dann nährst du ihn und machst ihn stärker. Er spricht nicht die gleiche Sprache wie wir und ihm geht es nicht um Sachlichkeit, Moralkompetenz etc. Davon ist dieser narzisstische CHarakter so weit entfernt, wie Pluto Entfernung hat zur Sonne. Widerstehe! Erkenne!

Ich gestehe, ich war perplex. In der Tat, ich hatte mich ein wenig mit dem narzisstischen Charakter beschäftigt. Dass ich auf die These, dass es sich bei Kachelmann um einen solchen handeln könnte, nicht gekommen war, wunderte mich selber. Aber man geht ja nicht durchs Leben und pathologisiert konkrete Menschen auf einen reinen Anfangsverdacht hin. Ein genauerer Blick auf Kachelmanns Leben und Karriere dürfte allerdings dem Fachmenschen gewisse unverkennbare Indizien an die Hand geben.

Dabei ist es mir wichtig, in der Narzissmus-Diagnose keine herabsetzende Beleidigung zu sehen. Ich gehe davon aus, dass ein Mensch mit narzisstischen Persönlichkeitsmerkmalen, auch wenn er diese auslebt, nicht unbedingt ein böser Mensch und eine verdorbene Seele ist. Es handelt sich halt eher um eine Art Benachteiligung auf charakterlicher Ebene.

Und wie ich schon öfter erwähnt habe, schließe ich nicht aus, dass ich selber solche Züge besitze und an den Tag lege; wenn mich Kritiker mit der Vokabel “Narzisst” bezeichnen, mag das als Angriff und Vorwurf gemeint sein, kann aber durchaus auch als Erklärungsversuch für einige meiner Eskapaden herhalten.

Doch was war es, was die obigen Zeilen aus der Mail in mir auslösten, sodass ich sie jetzt hier ans Licht der Öffentlichkeit reiße und Kachelmann über Bande öffentlich als Narzissten (fern-)diagnostiziere? Ich glaube, es ist (neben der Schmeicheleien, die mein narzisstisches Gemüt kurzfristig befriedigen) zum einen das Licht, das durch sie in die Dunkelheit meiner Erklärungsnot fiel - mein Unverständnis gegenüber dem diffamierenden Vorgehen der Kachelmänner war und ist nämlich nicht gespielt. Ich konnte mir das tatsächlich nicht erklären. Ich konnte schon verstehen, warum man jemanden nicht mag und jemanden beleidigt - aber warum man sich selber so ins Knie schießt und dann auch keinerlei Reue zeigt … das wurde mir erst durch die Narzissmus-Theorie ein wenig verständlicher. 

Kachelmanns Danksagung “für die Aufmerksamkeit” war also tatsächlich nicht ironisch, sondern wortwörtlich gemeint: Meine “Antwort” auf sein ausfallendes Verhalten sowie das darauf folgende Aufsehen, dass sich nun wieder auf ihn richtete, war genau das, was er benötigt, gewollt und beabsichtigt hatte. Als es dann nach einer Woche endlich kam, konnte er nicht anders, als in einer ehrlich gemeinten, einer Drohung vorangestellten Bemerkung Danke zu sagen. (Auch die Drohung selber und die Tatsache, dass ihr ein Link zu einer NDR-Doku über Kachelmann angefügt war, hatte ein Geschmäckle: War es der hilflose Schrei nach Liebe und Aufmerksamkeit, der sich hinter diesen doch eher unnötigen bis unangebrachten Ratschlägen verbarg?)

Zum anderen ist das Erhellende aus der Mail die Schlussfolgerung und Handlungsanweisung, die sich aus dieser Erkenntnis ergibt. Wenn es sich bei einzelnen Akteuren nicht nur in Politik, sondern auch in Medien und Wissenschaft, um Narzissten handelt (selbstverständlich werden sie, wie ich, von dem Licht der Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit, das diese Branchen bieten, wie Motten angezogen), dann tut es auch Not, im Umgang mit ihnen zu beherzigen, was ich in meinem Video “Raus aus der Ohnmacht” vor ein paar Wochen riet:

NO CONTACT ist der einzige, schnellste und beste Ausweg. Von Narzissten kann man sich nur abwenden. Wir sollten keine Energie mehr dort hineingeben. Sich einfach umdrehen und gehen. Es ist nicht mehr unser Spiel.

Ein Narzisst ernährt sich von der Aufmerksamkeit, die seine Opfer, zu denen wir werden, sobald wir uns auf ihre Sticheleien und Ausfälle einlassen, ihm schenken. Er wird dann ewig so weitermachen.

Der Narzisst kann keine Reue zeigen. Auch Selbstreflexion ist ihm fremd oder ein schlechtes Gewissen. Genugtuung, die man sich durch einen Gegenangriff oder ein Gesprächsangebot erhofft, wird es nicht geben.

NO CONTACT ist der einzige Ausweg.

Das bedeutet konkret: Es ist gut, auf sein Bauchgefühl zu hören und in den fachlichen Austausch, gerne auch in das hitzige Streitgespräch dort zu gehen, wo man eine gesunde Grundhaltung vermuten kann, weil neben polemischen Paraden auch der Wille zu Sachlichkeit und Argument erkennbar ist. Wo das nicht der Fall ist, verschließe man sich vor dem Versuch der Vereinnahmung und der Instrumentalisierung für die Befriedigung eines fremden, narzisstischen Begehrens und verweigere man jegliche Reaktion auf kommunikative Anbandlungsversuche, so verlockend sie auch zu sein scheinen. Man besinne sich auf das, was einem gut und gesund erscheint.

Es tut nicht nur dem Narzissten letztlich wohler, es wird auch einem selber damit besser ergehen, die eigene Energie auf fruchtbare Gespräche und ergebnisoffene Begegnungen zu legen. Besonders aber trägt diese Besinnung zur Heilung einer gesellschaftlichen Wunde bei, die die Narzissten nicht zugehen lassen wollen, weil sie von ihrem Blut sich nähren.